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>> Kirchen >> 
   
Der Bautyp frühchristlicher Kirchen ist die römische Basilika, ein einfacher Hallenbau mit einem hohen Mittelschiff und einem oder zwei meist niedrigeren Seitenschiffen. Die Kirchen waren ursprünglich nicht als Räume zum Hören gedacht, sondern dienten liturgischen Handlungen.
Die Predigten an die Gemeinde wurden im 12. bis 14. Jahrhundert eingeführt. Der Prediger stand entweder auf dem Lettner oder nutzte einen fahrbaren Predigerstuhl, der an einem akustisch geeigneten Platz aufgestellt wurde.
Um die Sprachverständlichkeit zu verbessern, entstand die Kanzel. Sie führte zu einer besseren Versorgung der vor der Kanzel sitzenden Gemeinde mit Direktschall und frühen Reflexionen.
Die Predigerorden des 14. bis 16. Jahrhunderts benötigten Räume zum Hören und Verstehen von Sprache. Es entstanden die Saalkirchen, wie sie auch heute noch ausgeführt werden. Sie weisen eine geringere Höhe mit meist flach gewölbten oder ebenen Decken auf und haben kleinere Grundrissabmessungen und damit kleinere Volumina. Die Kanzel befindet sich bei diesen Predigtkirchen meist neben dem Altar.
Während die riesigen Kathedralen teilweise Nachhallzeiten von mehr als 10 s, in Einzelfällen bis zu 30 s aufweisen, finden sich in Saalkirchen Maximalwerte zwischen etwa 5 und 10 s.
In romanischen und gotischen Bauformen zeigen sich meist Maxima der Nachhallzeit bei tiefen Frequenzen, weil hier wenig tieffrequent absorbierende Einbauten vorhanden sind. Im Barock werden die verglasten Flächen größer und es kommen zum Teil sehr umfangreiche Holzeinbauten hinzu, wodurch eine stärkere Tiefenabsorption bewirkt wird. Das Nachhallzeitmaximum verschiebt sich daher in den mittleren Frequenzbereich.
Infolge der unterschiedlichen funktionellen Anforderungen an eine Kirche hat diese den Charakter eines Mehrzwecksaales, an den extreme Ansprüche gestellt werden.
 In der Kirche soll Sprache gut verständlich sein. Dazu sind kurze Nachhallzeiten von etwa 1 s und große Deutlichkeit erwünscht.
Orgelmusik hingegen und große Chorwerke erfordern Nachhallzeiten von 2 bis 3 s, nach tiefen Frequenzen hin möglichst etwas ansteigend.
Bei Neuplanungen empfiehlt es sich als Kompromiss eine Nachhallzeit von 1,5 bis 2 s anzustreben.
Da die Besucherzahlen in Kirchen stark schwanken, ist eine Polsterung des Kirchengestühls zumindest in Form von Sitzkissen zur Verringerung der Abhängigkeit der Nachhallzeit von der Besucherzahl empfehlenswert.
Um bei den genannten für Sprache relativ langen Nachhallzeiten eine ausreichende Verständlichkeit zu gewährleisten, müssen vor allem in Rednernähe reflektierende Flächen für gezielte Anfangsreflexionen in den hinteren Raumbereich genutzt werden, z.B. durch einen Kanzeldeckel, Flächen seitlich und hinter der Kanzel, einen Flügelaltar, etc.
Die Aufstellung der Orgel sollte stets im Hauptraum, nicht in Nebenräumen oder Nischen erfolgen, damit eine ungehinderte Schallabstrahlung in die Kirche möglich ist. Im Hinblick auf musikalische Veranstaltungen, die in Kirchen häufig stattfinden, ist ein vorn oder vorn seitlich ausgeführter Standort für die Orgel akustisch günstig. Die vielfach an der Rückwand aufgestellten Orgeln können zu einer fehlerhaften Balance führen.
In bestehenden Kirchen mit langen Nachhallzeiten, in denen die Sprachverständlichkeit verbessert werden soll, können Beschallungsanlagen eingesetzt werden. Zweckmäßig sind Lautsprecherzeilen, deren Richtwirkung scharf auf die von Personen besetzte Fläche eingegrenzt wird, damit der große Kirchenraum möglichst nicht angeregt wird.
Die tiefen Frequenzen, die zur Verständlichkeit wenig beitragen, können dabei elektronisch abgesenkt werden. In größeren Kirchenräumen müssen Beschallungsanlagen bei dezentraler Lautsprecheraufstellung Verzögerungseinrichtungen besitzen, damit die Orientierung des Höreindruckes auf den Redner erhalten bleibt.
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